Ab heut wird zurückgeschossen!

Wenn man minderjährige Kinder im Haushalt hat und einen INet-Anschluss besitzt, dann hat man häufig Freude mit ungerechtfertigten Rechnungen und Mahnungen von sauberen Internetfirmen, Inkassovereinen und Rechtsanwälten. Auf der Webseite von verbraucherrechtliches.de wird eine große Zahl derartiger Saubermänner unter der Überschrift Internet-Vertragsfallen bekannt gemacht, dort werden auch Tips zur Vorgehensweise dagegen gegeben. Nachdem ich in der Vergangenheit immer schön brav die Ansprüche gegen das minderjährige Kind abgeschmettert habe, bin in nun dieser halben Sache leid und werde „zurückschießen“.

Vor 2 Wochen bekam der minderjährige Sohn des Hauses von einer Firma mit dem wohlklingenden Namen NETCONTENT LIMITED eine „LETZTE MAHNUNG“ bezüglich eines „6-Monatszugangs Vorlagen Archiv.com“. Warum diese Firmen immer so rumschreien müssen, wir sind doch nicht schwerhörig. Wie immer bei solch sauberen Firmen wurde mit nahezu allem, außer körperlicher Gewalt gedroht. Eigentlich fehlte mir noch der Zusatz, dass uns die verdiente Strafe der Arbeiterklasse treffen würde, ups das war ja früher, viel früher.

NETCONTENT LIMITED bekam von mir Post mit Rückschein in dem ich Ihren Anspruch abschmetterte und ihnen mit Zweiwochenfrist eine Erklärung abverlangte, dass keinerlei Ansprüche gegen das minderjährige Kind bestehen würden. Ich drohte, wenn die Erklärung nicht innerhalb der gegebenen Frist käme, ich mir vorbehalten würde, Strafanzeige wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung iSv § 826 BGB und auch des (versuchten) Betruges iSv § 263 Abs. 3 Nr. 1 STGB zu stellen. Weiterhin stellte ich NETCONTENT LIMITED meine Arbeitszeit mit 1 h und das Porto für den Rückschein in Rechnung.

Die 2 Wochen sind um und wie zu erwarten kam die Erklärung nicht. Also ging ich gestern zur Polizei im Greiz, dort hatte ich zuerst ein eher unergiebiges Gespräch mit einer Angestellten (so ihre Aussage), ich hielt sie für die Pförtnerin. Die Polizeiangestellte erklärte mir das ich aus folgenden Gründen keine Anzeige gegen NETCONTENT LIMITED stellen könnte:

  1. Es wäre kein Schaden entstanden – meine Anmerkung, ich hätte ca. 1h für das Schreiben gebraucht und außerdem hätte ich 4,40 € Porto bezahlt, verhallte ungehört
  2. Den Straftatbestand „versuchter Betrug“ gäbe es nicht, sie schleppte dann auch ein StGB an, indem sie nicht fündig wurde – also gibt es das nicht.
  3. Ich als Nichterziehungsberechtigter könnte sowieso keine Anzeige stellen, das müsste die Mutter oder das minderjährige Kind selber tun.

Danach kam ein kompetenterer Polizist (in Uniform) zu Wort. Er erklärte mir, das minderjährige Kind mit 16,5 Jahren, wäre nicht soo minderjähring und könnte die Anzeige selbst aufgeben, es müsse ohnehin als Zeuge gehört werden, ob es sich nicht doch zu irgendeinem Zeitpunkt auf der Webseite von NETCONTENT LIMITED angemeldet hat.

Weiterhin empfahl er mir, mich mit meinem Onlineprovider in Verbindung zu setzen und dort um eine Nichtlöschung der Verbindungsprotokolle von irgendwann in diesem Jahr beginnend bis zum vermeintlichen Datum der Rechnungsstellung durch NETCONTENT LIMITED zu bitten. Wenn irgendwann NETCONTENT LIMITED eine IP-Adresse aus dem Hut zöge die zu den Tausenden Einwahl-IP-Adressen meines Providers gehören würde, dann müsste sich ja zwangsläufig das minderjährige Kind mit unserem Anschluss auf den Seiten von NETCONTENT LIMITED angemeldet haben.

S E L T E N S O G E L A C H T !

Und nun zu den Auskünften unserer „Freunde & Helfer“:

  1. Es ist kein Schaden entstanden – mir ist durchaus ein Schaden entstanden. Ich musste mich für eine Stunde mit einem für mich eher uninteressanten Thema beschäftigen. In dieser Zeit hätte ich mich lieber meiner Familie gewidmet oder gar meinen Hobbies gefrönt. 70€ habe ich für den entgangenen Lustgewinn den AZA angerechnet.
  2. Nach StGB §263 Abs. 2 ist schon der Betrugsversuch strafbar!
  3. Ich kann mit einer Vollmacht bewaffnet durchaus als „mündiger Bürger“ für einen anderen „mündigen Bürger“ eine Anzeige erstatten, dazu muss ich kein Rechtsanwalt sein. Aber das minderjährige Kind muss eine Zeugenaussage machen.
  4. IP Adress Logging – nach einem der Verbraucherzentrale NRW e.V. www.vz-nrw.dedie vom Anbieter gespeicherte IP-Adresse Ihres Rechners ist als Nachweis für einen Vertragsabschluß nicht ausreichend!

IMHO ca. 75% Fehlberatung – schlecht schlecht, oder sollte ich gar Faulheit unterstellen, da mich die Pförtnerin Angestellte eigentlich zur Dorf-Polizeistelle in Zeulenroda schicken wollte?

Ich denke aber, dass Einem das heutzutage nicht nur im Rosterland passieren kann – aber ich habe es dort so erlebt.

Fortsetzung folgt ..

Hilfsmittel:

  1. Das von
  2. Das von
  3. Ein der aber nur benutzt werden sollte, wenn das minderjährige Kind die Leistungen tatsächlich nicht genutzt hat oder wirklich getäuscht wurde.

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